Die Probezeit – Deine wichtigste Phase als Führungskraft

„Eigentlich hatte ich von Anfang an ein ungutes Gefühl…“

Diesen Satz höre ich in meinen Coachings oft, wenn es um Minderleistungen oder Konflikte im Team geht. Meistens blicken wir dann gemeinsam zurück auf die ersten sechs Monate: die Probezeit.

Gerade bei uns im öffentlichen Dienst, wo das Arbeitsverhältnis nach der Entfristung (oder mit der Verbeamtung auf Lebenszeit) eine enorme Beständigkeit erfährt, ist die Probezeit kein bloßes „Ankommen“. Sie ist die entscheidende Qualitätskontrolle – für beide Seiten.

Warum wir den Mut zum Feedback brauchen

Viel zu oft lassen wir Dinge laufen, weil wir hoffen, dass es „schon noch wird“. Wir scheuen das schwierige Gespräch, weil wir niemanden vor den Kopf stoßen wollen. Doch als Führungskraft ist es deine Aufgabe, Klarheit zu schaffen.

Ehrliches Feedback ist ein Zeichen von Wertschätzung – auch wenn es kritisch ist. Nur wenn Beschäftigte wissen, wo sie stehen, haben sie die Chance, nachzusteuern.

Die Probezeit ist kein Selbstläufer

Wenn die Leistung trotz klarer Rückmeldungen nicht stimmt, müssen wir uns eine unbequeme Frage stellen: Passt diese Person wirklich langfristig in unser Team und zu den Aufgaben unserer Kommune?

Ein aktuelles Beispiel aus meiner Praxis: Erst vor kurzem habe ich live erlebt, wie Frau M., eine engagierte Abteilungsleiterin, monatelang zögerte. Ein neuer Mitarbeiter im Sachgebiet Finanzen lieferte zwar Ergebnisse, aber die Fehlerquote war hoch und die Integration ins Team scheiterte an der mangelnden Kritikfähigkeit. Frau M. hoffte, dass „der Knoten noch platzt“.

Erst im gemeinsamen Coaching wurde klar: Das Team war bereits am Limit, weil ständig nachgearbeitet werden musste. Die Entscheidung, das Arbeitsverhältnis zwei Wochen vor Ende der Probezeit zu beenden, war schmerzhaft, aber eine Befreiung für die gesamte Abteilung. Heute ist die Stelle mit jemandem besetzt, der fachlich und menschlich wirklich passt.

Ich weiß, eine Kündigung in der Probezeit fühlt sich oft wie eine persönliche Niederlage an. Aber:

  • Eine Fehlbesetzung belastet das gesamte Team, das die Minderleistung auffangen muss.
  • Es ist fair gegenüber der Person, ihr frühzeitig zu signalisieren, dass ein anderer Weg vielleicht besser geeignet ist.
  • Nach der Probezeit werden Korrekturen im öffentlichen Dienst ungleich schwieriger und langwieriger.

Mein Impuls für dich:

Habe den Mut, die Probezeit aktiv zu nutzen. Dokumentiere Leistungen, führe regelmäßige Gespräche und vertraue auf dein Bauchgefühl, wenn die fachliche oder persönliche Eignung nicht gegeben ist.

Bist du gerade in einer Situation, in der du unsicher bist, wie du eine Personalentscheidung treffen sollst?

Als Personalchefin und Coach kenne ich beide Seiten: die rechtlichen Leitplanken und die menschliche Dynamik dahinter. Melde dich gerne bei mir für ein vertrauliches Gespräch.

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